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Maria von Magdala

Monatelang soll diese gemischtgeschlechtliche Gruppe ohne geeignete Übernachtungsmöglichkeiten durch die Landschaft Galiläas gewandert sein?

Was da wohl vermutet, unterstellt und verleumdet wurde?

Leider müssen wir auch lesen, dass innerhalb des männlichen Jüngerkreises die Jesus nachfolgenden Frauen keineswegs in idealer Weise als gleichberechtigt angesehen wurden. Als u.a. Maria aus Magdala vom Auferstandenen berichtet, glauben die Männer diesem „Geschwätz“ erst einmal nicht (Lk 24,11).

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In der Vorbereitungsgruppe zum Osterweg 2022 begleitete uns immer der Gedanke, wie wir unser Suchen nach dem Wesen der Maria mit in die Station nach Gechingen bringen können.

 

Jesus wird Maria vermutlich in der Stadt Magdala, am Ufer des Sees Genezareth, 8 Kilometer von Kapernaum entfernt, erstmalig begegnet sein. Diese Begegnung war – trotz all der berichteten Heilungswunder Jesu – eine Besondere (Mk, 16, 9 + Lk 8, 2): Von nicht weniger als sieben Dämonen (bösen Geistern, „Teufeln“) soll Jesus sie erlöst haben. Ganz unabhängig von dieser „Sensation“, können wir kaum ermessen, wie wichtig, wie befreiend, wie existentiell für Maria die Begegnung mit diesem Wanderprediger aus Nazareth gewesen sein muss.
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Unser Fokus auf Maria gilt den Minuten, in denen sie zuschauen muss, wie man den Leichnam Jesu ins Grab legt.

Wenn es „Heiler“ mit Dämonen zu tun haben, diese dann auch noch den Befehlen des Wundertäters gehorchen, dann gab es nur zwei Alternativen:
Der Wundertäter arbeitet im Auftrage des Teufels oder im Auftrage des einen G*ttes.

Marias Deutung, Marias Erfahrung war wohl eindeutig: Von diesem Zeitpunkt an wich sie nicht mehr von seiner Seite.    

Und so war sie nicht nur ständige Hörerin der Botschaft Jesu, sie teilte wohl auch konsequent ihr Leben mit ihm, bis in die letzte Konsequenz:    

Bei Jesu Gefangennahme im Garten Gethsemane wird Maria aus Magdala zwar nicht erwähnt, aber weit kann sie nicht gewesen sein, denn ab sofort treten alle männlichen Nachfolger in den Hintergrund, ins Versteck.

Die Frauen, insbesondere Maria aus Magdala sind es, die Augenzeugen der Folter, die Augenzeugen des Mordes an Jesus aus Nazareth wurden (Joh 19,25).

Äußerlich kann man nun eine starke Frau
beobachten, die vor den grausamen Tatsachen des Todes keinen Halt macht: Sie beobachtet, wie Jesus vom Kreuz genommen und ins Grab gelegt wird (Mk 15, 47), sie besorgt Öl zur Einbalsamierung und macht sich am Morgen nach dem Schabbat auf zum Grab, um den Leichnam Jesu zusalben, zu ehren (Mt 28, 1, Mk 16, 1, Joh 20,1).

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Wir wollen Dreierlei anschaulich machen: Den Blick Marias auf die Grablegung, das leere Kreuz sowie die inneren Stimmen der Maria, schwankend zwischen Verzweiflung und (un)begründeter Hoffnung.

 

Und daher gehört auch sie dazu, dem auferstandenen Christus bzw. der Botschaft von der Auferstehung des Christus als Erste zu begegnen (Mk 16, 9) und so nicht „nur“ zur ersten Zeugin, sondern auch zur ersten Verkünderin der frohen Botschaft zu werden (Lk 24,10, Joh 20,18).

Für Theolog*innen stellt sich heute tatsächlich die Frage, ob es ohne Maria aus Magdala überhaupt so etwas wie eine christliche
Verkündigung gegeben hätte. War sie die entscheidende Person, die bewirkte, dass sich die Jesusbewegung nach der Kreuzigung nicht auflöste, sondern in veränderter Form weiter bestand?
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Das Himmelreich wird sein wie ein Senfkorn, das eine Frau nahm und in ihrem Garten säte.
Und es wuchs und wuchs und die Vögel ließen sich in den Zweigen der gewachsenen Pflanze nieder.

Was nicht alles schon über diese Frau erzählt wurde …

Der Umgang zwischen Jesus und Maria aus Magdala war liebevoll.

War es Liebe?

Da beginnt doch gleich das Kopfkino. In der Tat ist Maria Magdalena, wie wohl keine andere weibliche Figur der Bibel, zum Opfer von Männerfantasien geworden. Die Legendenbildung reicht vom frühen Christentum bis in die Gegenwart: in Dan Browns Bestseller Da Vinci Code von 2003 haben Maria und Jesus eine Affäre, aus der eine Tochter hervorging.

Für solche Fantasien gibt es eigentlich keinerlei Belege! Zum Verhängnis wurde Maria die einzige biblische Erwähnung vor dem Passionsgeschehen. In Lukas 8 taucht der Name in einer Liste der Personen auf, die von Jesus geheilt wurden und ihm danach folgten. Direkt vor diesen Versen steht nun auch noch ausgerechnet die Geschichte von einer namenlosen Sünderin, die Jesu Füße mit ihren Tränen wäscht, mit ihren Haaren trocknet und schließlich mit teuren Öl salbt. Ihre Handlung wird von den Zuschauenden heftig kritisiert, doch Jesus verteidigt sie: ihre vielen Sünden seien ihr vergeben, denn sie habe viel geliebt.

Na klar, denkt sich der Hobby-Bibelausleger, das kann doch nur diese Maria aus Magdala mit den 7 Dämonen gewesen sein und dann die vielen Sünden, wie sollen die bei einer Frau anders zusammen kommen als durch sexuelle Verfehlungen? Auf diese Weise wurde aus Maria Magdalena eine ehemalige Prostituierte gemacht, die durch die Begegnung mit Jesus von ihrer sündigen Vergangenheit erlöst wird.

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Nun taucht auch noch in Johannes 12 eine „Sünderin“ auf: Da trocknet ebenfalls eine Frau Jesus die Füße mit ihren Haaren. Klar, das muss doch wieder die Maria aus Magdala sein. Diese Zusammenhänge
wurden viele Jahrhunderte behauptet und bekamen in Papst Gregor schließlich um 600 einen prominenten Unterstützer: Bei den drei Frauengestalten, der Osterzeugin, der lukanischen Sünderin und der johanneischen Fußwäscherin handele es sich um ein und dieselbe Person.

In der Neuzeit ergab sich eine weitere Verzerrung der Maria-Geschichte durch das erst 1945 im ägyptischen Nag Hammadi gefundene Phillipusevangelium, das vermutlich im zweiten Jahrhundert nach Christus entstand. Darin wird Maria aus Magdala als ständige Begleiterin Jesu beschrieben. Da heißt es: „(…) und er küsste ihr oft auf …“. Nun, ausgerechnet an dieser Stelle befindet sich ein Loch im Papyrus. Ein Loch, das die männliche Fantasie und auch die Dan Browns für seinen Da Vinci Code anregte. Dabei ist für Kennerinnen der Materie klar, dass hier nur der Mund gemeint sein kann und auch das lediglich im übertragenen Sinn. Das Philippusevangelium zählt zu den gnostischen Schriften, in denen Küsse auf den Mund symbolisch für die Weitergabe von geheimem Wissen stehen. Zweifellos ist die Stelle also ein Indiz für die enge Verbindung, die der Verfasser zwischen Jesus und Maria sah, nicht aber für eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden.

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Doris Schuhbauer (Voco-Sängerin und Künstlerin) streicht die Pfosten der Stelen, die nun bis Ostern 2022 auf ihren Auftritt beim Osterweg warten.

Seit dem 22. Juli 2016 gedenken Christen weltweit der Maria aus Magdala, der wichtigsten Auferstehungszeugin. Die römisch-katholische Kirche beförderte den „gebotenen Gedenktag“ zu einem Festtag. Für die Beförderung hatte sich der Papst persönlich eingesetzt. Die Aufwertung des Gedenktages für Maria aus Magdala zum offiziellen Festtag war Franziskus im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ein echtes Herzensanliegen. „Ein kleiner Schritt aufwärts im who is who der Heiligen, aber ein großer Schritt für die Wertschätzung der Frauen in der Kirche“ kommentierte Radio Vatikan die Entscheidung.

Damit wurde die Bedeutung einer Frau aufgewertet, die Jesus so große Liebe gezeigt habe und von ihm selbst so sehr geliebt worden sei.

 

Was wir von dieser Frau gerne erfahren würden …

Maria, wie verzweifelt warst du, als dein „Rabbi“ gefangengenommen, gefoltert und getötet wurde?

Maria, hast du zu Lebzeiten vielleicht mehr in diesem Jesus gesehen als die anderen, die ihm nachfolgten?

Maria, hast du mit einer „Fortsetzung“ des Lebens Jesu gerechnet, auch als du mit eigenen Augen gesehen hast, dass es sein toter Leichnam war, der da ins Grab gelegt wurde?

Maria, was ging in dir vor, als du auf dem Weg zum Grab warst? Hast du mit etwas gerechnet, mit dem niemand rechnen konnte?

Maria, was war das Verbindende zwischen Dir und Jesus? Liebe? Welche Liebe? Gottes Geist? Konntest Du auch im Sterben Jesu in Gottes Reich sehen?

Maria, die ersten Hörer deiner Botschaft haben dir nicht geglaubt. Letztlich wurdest du aber sehr wohl gehört und du bist und bleibst die erste Auferstehungszeugin. Kannst du den Männern verzeihen?


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